oder wie wir im Rythmus den Ernstfall proben.
 
Schnee? Die Frage bewegte alle Teilnehmer bis 3 Tage vor Kursbeginn und dann kam er dicke zusammen mit Nordföhn, Wind, Minustemperaturen im Zweistelligen, Triebschnee und Lawinenwarnstufe 3 oben. 6 Damen, Stammkursleiterin Susanne und Skilehrer Flo blieben unbeirrt. Los geht's.


Treff- und Startpunkt am Samstag um 9 Uhr war Schlick 2000 im Stubaital. Wer aufsteigt, will genüsslich abfahren und das will gelernt sein. Flo genau wie Susanne ehrenamtlich engagiert, hat sich der Herausforderung gestellt, uns fit für das Gelände zu machen. Sein Einstieg: "Im Skilehrerhandbuch steht, bei Damengruppen ausreichend Raum für kommunikativen Austausch zu geben." Zustimmendes Gelächter und er hatte uns gewonnen. "Wie komme ich in die Tourenbindung?" Allen Belangen wurden mit viel Geduld und Hilfsbereitschaft begegnet (Danke Susanne und Flo). Danach kam die Musik oder das eigentliche Techniktraining flockig leicht vermittelt. Erst lernen wir den Rhythmus  gleichmässig zu halten, die Radien zu variieren, dann den Belastungswechsel aus den Beinen zu initiieren, das Gelände zu "schlucken" und zu guter letzt schwingen wir synchron. Der beheizte Sessellift war ein nicht unwesentlicher Motivator. Auf der letzten Abfahrt, also kurz vor dem Willi, gab es ein Lawinentraining ganz praktischer Natur. Eine kleinere Lawine, wahrscheinlich ausgelöst von Ski- oder Snowboard abseits der Piste, hatte den Ziehweg überspült. Die Bergwacht hatte keine Details und muss sicher gehen, dass niemand verschüttet ist. Vier Bergwachtmitglieder mit LVS Ausrüstung, Akia, Rettungshubschrauber mit Notarzt und Lawinenspürhund waren bereits vor Ort und Susanne schickte uns gleich mal in die praktische Prüfung. Kein Piepser-Signal heisst das gesamt Feld im Abstand von 50cm abzusondieren. Aufgestellt in Abstand von einem Meter sondieren wir in zwei Reihen von oben und unten kommend das gesamte Feld auf Zuruf des Koordinators: "Und Schritt nach vorn, sondieren." Mit jedem Schritt hüfttief einsinkend, steigt mein Respekt vor der Arbeit der Berwacht ungemein.

Geschätzte drei Stunden später sitzen wir am Familientisch vom Haus Hörtnagl in Navis und stürzen uns auf die Spaghetti mit hausgekochter Sugo. Bei hausgebrannter Pflaume, Marille und Likör erläutert uns Susanne die Grundlagen der Lawinentheorie, LVS, Snowcard, Hangmessung und Routenplanung in Abghängigkeit vom Lawinenlagebericht. Vor dem Fenster schneit es heftig und wir wägen sehr vorsichtig ab, was am Sonntag möglich ist.
Frühstück entspannt um halb acht. Brot, Butter, Marmelade und Honig - alles hausgemacht. Das Ei ist "kernweich" und die Thermoskannen vorbefüllt. Familie Hörtnagl verwöhnt uns mit 5-Sterne-Service. Auf die Felle, sauber geklebt, Kanten frei - Navis, wir kommen. Heutiges Ziel ist Kreuzjöchl und die Stöcklalm. Durch tiefverschneiten Wald geht es im Zick-Zack aufwärts, gut vorgespurt von lokalem Bergführer mit seiner Gruppe. Susanne erklärt, dass die Felle haften wenn Dein Schwerpunkt richtig gesetzt. Wir schlürfen im "Pantoffelschritt" aufwärts ohne den Ski anzuheben. Minusgrade und Schwitzen, Schichten aus und an, Bindung auf oder verdreht. Langsam aber stetig kommen wir über die Baumgrenze und erblicken die Navishütte. Nix da, weiter gehts. Wer erst mal sitzt, kommt nicht wieder hoch. Susanne, wie Recht Du hast. Wir bewegen uns jetzt in steilerem, offenem aber gut koupiertem Gelände. Bisher konnten wir der gesetzten Spur folgen und merken bald, dass eine Spur anzulegen, gleichmässig steil und geländesicher, eine ganz eigene Kunst ist. Wenn es steiler wird und man nicht mehr ums Eck gehen kann, kommt die Kickkehre zum Einsatz. Das Feld ist nach unseren Mehrfachversuchen zerwühlt. Was wohl die nachfolgenden Tourengeher denken? Und weiter rauf, wir wollen ja schliesslich auch abfahren. 800 Höhenmeter, das sollte in guter Stunde zu schaffen sein, meint Flo. Naja bei uns waren es gute zwei. Wir sind Euch dankbar fürs Raufbringen, die Abfahrt durch knietiefen Neuschnee hat alles wettgemacht. Die Hüttn war voll bei der Kälte und Susanne hält uns in Bewegung bei der Lawinenpiepsersuche. Dann endlich die wohlverdienten Speckknödel und der Kaiserschmarrn in der kuschelig warmen Stubn der Stöcklalm. Kalte Finger, schmerzende Waden, Schwitzen, Frieren, alles vergessen. Ja, wir werden wiederkommen!
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Für alle Kurs-Nachahmer:
- Warme Handschuhe und zusätzliche Isolationsschicht sind nie verkehrt
- Tourenschuhe vorher einlaufen
- Heißer Tee und Schokolade hilft immer
- Sonde und Schaufel werden auch im Skigebiet gebraucht
 
Merke:
Jeder Lawinenabgang ist bei der Bergwacht zu melden, egal ob bereits passiert oder selbst beobachtet. Wenn sicher niemand verschüttet und es gemeldet wurde, spart das der Bergwacht viel Energie, Zeit und Kosten.
 
Nadja Dubois

 

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